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Nachhaltiges Weidemanagement


Hier findet ihr einige Tipps zum nachhaltigen Weidemanagement. Auch hier haben wir für euch in Fachzeitschriften gestöbert. Wir sind fündig geworden und haben einige Infos für euch übersichtlich zusammengefasst.


1. Auf die Nutzungshistorie der Weide achten

Ehemalige Kuhweiden zum Beispiel sind für Pferde weniger geeignet. Dazu muss man wissen, dass viele Kuhweiden durch die Leistungssteigerung moderner Milchviehbetriebe entsprechend kultiviert werden, in der Fachsprache "Intensivierung des Grünlandes" genannt. Dies bedeutet besonders energiereiches Weidefutter. Die falsche Weide kann sich negativ auf den Gesundheitszustand des Pferdes auswirken und dort zu Stoffwechselproblemen führen.


2. Auf Artenreichtum setzen

Pferde brauchen für einen gesunden Stoffwechsel Grundfutter mit einem besonders hohen Rohfaseranteil. Genau das bietet Grünland mit besonderem Artenreichtum. Und mehr noch. Auch aus Umweltaspekten spielt Biodiversität eine entscheidende Rolle. Eine entsprechende Weide ist nicht nur dem Wohlergehen des Pferdes dienlich und  ist besonders widerstandsfähig in Bezug auf Umwelteinflüsse, sie leistet sogar einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Hier haben wir es sozusagen mit einer win-win Situation zu tun.


3. Vegetation kennen

Wer nachhaltiges Weidemanagement betreiben möchte muss kein Botaniker sein, sollte aber wissen, wie der  Futterwert auf seiner Weide ist,welche Arten vorhanden sind und welche Pflanzen dort im Jahreslauf wachsen. Die Landwirtschaftskammern oder Naturschutzberater können hier Hilfestellung geben. Natürlichkeit wird groß geschrieben, somit wird empfohlen, den  ein oder anderen Busch ruhig einfach mal stehen zu lassen.


4. Auf ökologischen Dünger umstellen

Die Fruchtbarkeit des Bodens spielt neben der Vegetation eine wichtige Rolle. Anstatt auf mineralischen Dünger (Kunstdünger) zu setzen, sollte man dem ökologischen (Mist, Gülle) den Vortritt lassen. Zum einen muss beim Einsatz von mineralischen Dünger zugekauft werden (Achtung: Verpackungsmüll und Zusatzkosten), zum anderen werden diese Substanzen nicht zurück in den Boden geführt. Das unterbricht die Kreislaufwirtschaft, die wiederum für Artenvielfalt sorgt. Tipp: Alle zwei bis drei Jahre eine Bodenprobe untersuchen lassen. (Kosten ca.25 Euro). Weiter unten auf dieser Seite, findet ihr noch mehr zum Thema umweltbewusst düngen.


5. Lust sich weiterzubilden?

Entsprechende Workshops zum Thema werden zum Teil von Landwirtschaftskammern angeboten.

Quelle (Vgl.: "Wir brauchen Weide", in: St.Georg, 01/2020)


6. Hier ein paar Tipps zur Weidepflege:

Geilstellen bearbeiten

Da Pferde rechte Feinschmecker sind, entdecken sie für sich schnell die schmackhaftesten Stellen ihrer Weide mit entsprechenden Kräutern und Gräsern.

Unliebsame Stellen werden schnell zum „Klo“ degradiert und bilden durch die gehäufte Kotablage so genannte Geilstellen. Um erhöhtes Parasitenaufkommen an diesen Stellen zu verhindert,  bietet es sich eventuell sogar an, Pferdeäpfel der Weide zu entnehmen.  Eine regelmäßige Pflegemahd wird ebenfalls empfohlen, da durch Stickstoffanhäufungen durch Exkremente üppiger Pflanzenwuchs entsteht.

Umgang mit giftigen  Pflanzen

Positiv zu vermerken ist, dass Pferde in der Regel von Natur aus einen Bogen um giftige Pflanzen machen und ihren Nachwuchs entsprechend anleiten. Sicherzustellen ist natürlich, dass genug Grünfutter zur Verfügung steht und die Tiere nicht gezwungen sind, auf gefährliche Pflanzen auszuweichen. Ebenso beruhigend ist, dass giftige Pflanzen im Heu häufig ihre Giftigkeit verlieren. Das ist alles halbwegs erleichternd, jedoch bleibt ein gewisses Risiko bestehen. Besonders das Jakobs-Kreuzkraut und der Sumpf-Schachtelhalm sind hier zu nennen.


7. Anlage von artenreichen Pferde-Grünland. Denn Artenvielfalt

bedeutet ideale Futterqualität.

Da Pferde im Gegensatz zu Kühen auf Grünland mit niedrigerem Energie- und Eiweißgehalt angewiesen sind, ist als ideale Futterquelle eine artenreiche Weide mit verschiedenen Blumen, strukturreichen Gräsern und schmackhaften Kräuern zu nennen. Ein später erster Schnittzeitpunkt dient sowohl dem Pferdewohl, als auch dem Naturschutz.


Artenvielfalt, aber wie?

1. Checke deinen Grünlandtyp

Es hängt vom jeweiligen Standort, d.h. vom jeweiligen Grünlandtyp ab, welche Saatgutmischungen idealerweise genutzt werden sollen und wie du weiter vorgehen kannst. Es kann hilfreich sein, die Beurteilung der Fläche von Fachleuten  vornehmen zu lassen.


Gängige Grünlandtypen sind:

  • Frischwiesen:
    Meist anzutreffen auf mittleren Standorten mit ausgewogener Wasser- und Nährstoffversorgung. Vorwiegend finden sich hier Pflanzen wie die Wiesen-Margerite, die Wiesen-Flockenblume oder der Wiesenfuchsschwanz. Die Voraussetzung hier sind ideal, und auch das Heu zeichnet sich durch Arten- und Strukturreichtum aus. 
  • Trockenes/mageres Grünland

Häufig auf der Geest zu finden, häufig auf Sand bzw. nährstoffarmen Standorten ausgeprägt, meist in niederschlagsärmeren Regionen.

  • Feuchtwiesen

Dieser Weidetyp findet sich auf Böden mit Stau- oder Grundwasser, häufig in Niedermooren an Fließgewässern, der Marsch oder an kultivierten Hochmoorflächen der Geest. Trotz des häufig nährstoffarmen Untergrunds, findet sich hier oft eine artenreiche Pflanzenwelt.

 

2. Die nächsten Schritte

Bewährt hat sich das sogenannte Regio-Saatgut, das verschiedenste Händler anbieten und welches individuell nach persönlichen Bedürfnissen und vor allem entsprechend des Grünlandtyps, zusammengestellt werden kann. Persönliche Beratung ist häufig inklusive. Oftmals können sogar bis zu 20 Arten vermischt werden, wobei es selbstverständlich ist, dass giftige Pflanzen, sowie von Pferden verschmähte Pflanzenarten, ihren Weg nicht in die Saatmischung finden sollten.


3. Erhalt des Artenreichtums

Eine schonende Beweidung ist hier wichtig. Auf rechtzeitigen Umtrieb und angepasste Besatzdichte der Tiere ist zu achten.

Quelle: (Vgl. Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. „Pferdegrünland und Naturschutz, 2017,(1. Aufl.)

 

 

8. Umweltbewusst Düngen – aber wie?

Nicht die Menge macht es, sondern…

das Düngen sollte gezielt und zurückhaltend geschehen. Zwar ist es wichtig der Weide, die durch das Grasen und die Schnittnutzung entzogene Nährstoffe, zurückzugeben, doch eine Reihe an Pflanzen- und Pilzarten vertragen die Düngung nicht. Das bedeutet, man sollte zum Schutz der Artenvielfalt beim Düngen genau hinschauen und zurückhaltend sein. Übermäßiges Düngen belastet außerdem unser Grundwasser.

Die Boden- und Pflanzenzusammensetzung entscheidet über die Zusammensetzung des Düngers. Diesen gibt es in unterschiedlichster Mischung und verschiedensten Zusätzen. Es empfiehlt sich hierzu bei der LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) beraten zu lassen. Diese nimmt auch eine Bodenanalyse vor, welche alle paar Jahre im Januar oder Februar zu empfehlen ist.

In jeden Fall ist hier beim Aufbringen die Düngeverordnung (DüV) einzuhalten, an der momentan in der Politik weiter gearbeitet wird. Diese besagt zum Beispiel, wie viel Dünger in welchem Gebiet ausgebracht werden kann.

Richtig düngen mit Mist, denn…

sogenannte „Effektive Mikroorganismen“(EM) machen es möglich. Diese sind im Handel erhältlich und für den Reiterhof- und Heimmisthaufen geradezu ideal. Diese Mikroorganismen zersetzen den Mist und lassen das Mistvolumen beachtlich schrumpfen. Am Ende entsteh hochwertiger Kompost, den man ideal auf die Weide bringen kann. Dieser natürliche Dünger sollte nach Möglichkeit nach der Heuernte aufgebracht werden. Die Tiere können anschließend gefahrlos grasen.

Der Kompostdünger hat den Vorteil, dass er für mehr Bodenstabilität sorgt und die Nähstoffaufnahme erleichtert. Der Mikrolebensraum Boden wird aktiviert. Zudem erwärmt sich der mit Kompost gedüngte Boden im Frühjahr leichter.

Mit heimischem Mist zu düngen, bedeutet in diesem Punkt gewissermaßen Selbstversorger*in zu sein. Das Zukaufen von Dünger wird unnötig, lediglich die Mikroorganismen muss man erwerben. So hat man nicht nur guten Dünger, sondern das „Mistproblem“ wird ebenfalls gelöst.


9.Zäune

Wer Holzzäune verwendet, sollte auf das FSC- Siegel achten. Das Siegel besagt, dass das ausgezeichnete Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Darüber hinaus sind heimische Hölzer vorzuziehen um lange Transportwege zu vermeiden. Vor allem: Um Tropenholz einen großen Bogen machen! Es wird häufig  illegal abgeholzt und zerstört den Regenwald!

Geeignetes Zaunholz ist zum Beispiel Kastanien-, Lärchen, -Eichen-, oder Kiefernholz. Bei Robinholz beachte man, dass die Rinde für Pferde giftig ist. Also nur geschält verwenden!

Wer Kunststoffzäune vorzieht, sollte genau hinschauen. Natürlich ist Kunststoff langlebiger als Holz, jedoch in keinster Weise umweltfreundlich. Wer dennoch absolut nicht auf Kunststoff verzichten möchte, sollte sich genau erkundigen. Denn mittlerweile gibt es Kunststoffe, die aus recyceltem Material hergestellt werden. Dies kann ein Kompromiss darstellen. Pfosten aus recycelten Kunststoff findet ihr hier.

Quelle (Vgl.: "Von neuen Wegen und Rückbesinnung", Alexandra Koch im: Reitsport Magazin, 04/2020)